„!Soy El Quico!“

Das war die Ansage, die Francisco Sabaté Lloparte (1915-1960) seinen Gegnern entgegenschleuderte: „Ich bin El Quico!“

sabateAntonio Téllez Solá (1921-2005) ist der unumstrittene Fachmann auf dem Gebiet des anti-franquistischen Widerstandes nach 1939, nach dem Ende des verlorengegangenen Spanischen Krieges um die Vorherrschaft im Land. Seine Biographie über Sabaté erschien 1972 und in deutscher Übersetzung erstmals 1974 im Trikont Verlag.
Das Besondere an diesem Widerstand war, dass Hitler und Moussolini gefällt wurden, aber unter Aussicht auf einen neuen Krieg mit der Sovjet-Union (Kalter Krieg) Franco als „Waffenbruder“ weiterregieren durfte – mit der Kollaboration der sogenannten Demokratien in Europa.
Gerade das durch den Faschismus so geschlagene und getretene Frankreich tat sich damit hervor, Flüchtlinge aus Spanien in Konzentrationslagern gefangen zu halten, als Kanonfutter zu verwenden oder mit Zwangsarbeit für ihr Dasein zu bestrafen.

Franco ist für Europa eine faschistische Kontinuität, die sich irgendwie in Wohlgefallen aufgelöst zu haben scheint: Es juckt keinen mehr, dass ein faschistisches Regime unter den scheinbaren Vorzeigedemokratien der Welt seinen beschaulichen Platz fand und diese jener Diktatur in vielen Fällen bereitwillig halfen, der Verfolgten letztendlich doch noch habhaft zu werden.

Der Autor beschreibt aber kein schwarz/weiß Bild der damaligen Zeit, sondern steht jeder Beschönigung der libertären Bewegung, der hauptsächlichen Widerstandsbewegung gegen den Franco-Faschismus, fern. So nennt er innere Querelen, Widersprüche in Organisation und Taktik und letztendlich auch Verrat und Denunziation, auf dass diese Vorgänge einen Platz im Bewusstsein der Interessierten finden und in Zukunft vermieden werden können – vermieden werden müssen, denn diese Vorgänge, wie Machtkämpfe und intrigante Eitelkeiten gaben den Faschisten direkten Vorschub.

Unbequem, spannend und lehrreich ist das Buch von Antonio Téllez und zum Anlass der neulich entdeckten Neuauflage, möchte ich es hier nochmals dem geneigten Leser empfehlen:

sabate cover2015 brachte der Wiener Verlag Bahoe Books Antonio Téllez Solá „Sabaté. Ein aussergewöhnlicher Guerillero“ neu heraus und erwies damit dem seriösen Teil der deutschsprachigen, libertären Bewegung einen großen Dienst. Die Ausgabe wurde mit einem einführenden Text von Alexandre Froidevaux ergänzt, in dem dieser die Ereignisse des Bürgerkrieges und des Franco-Regimes zusammenfasst. Der Band ist handlich, angenehm zu lesen und die Umschlaggestaltung interesseweckend. Eine gelungene Neuauflage!face

Die Geschichte hat aber noch viel mehr Lehrreiches zu bieten und wenn wir gerade schonmal beim Thema sind, möchte ich mir erlauben den Verlag anzufragen, wie wahrscheinlich die Deutschübersetzung und Neuauflage des Téllez-Buches „FACERÍAS Urban Guerrilla Warfare (1939-1957). The Libertarian Movement’s Struggle against Francoism in Spain and in Exile“ wohl wäre?

 

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2 Kommentare

  1. Rolle Drops

     /  März 14, 2016

    Geiles Buch, es ist echt interessant, wie ein Mensch hinter seinen Überzeugungen steht und für andere kämpft!

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    • Das ist auch die Message, die Antonio Téllez in seinen Büchern immer wieder durchscheinen lässt: Auch eine Einzelperson kann etwas unternehmen, wenn auch die ganze Umwelt feindlich ist.
      Man muss das sicherlich relativieren: Das Klassenbewusstsein gegen den Faschismus war höchstwahrscheinlich schon eine wichtige, wenn auch nicht immer verlässliche Quelle der Solidarität (Siehe Hilfe auf der letzten Grenzüberquerung mit der Frau und dem Verräter). Aus diesem Bewusstsein heraus, welches damals sicherlich stärker war als heute, hat sich ein Millieu ergeben, wo heute gähnende Leere herrscht – selbst jene, die man äußerlich einem Millieu zuordnen würde, sind noch lange nicht wirklich Teil einer bewussten Bewegung, haben nicht mal eine eigene Persönlichkeit, sondern betreiben fashionable Mimikri.
      Also auf heute übertragen, haben wir es im Grunde schwerer mit der Vereinzelung zu tun.
      Aber das soll kein Grund sein, die Message falsch einzuschätzen: Ich stimme dir völlig zu, Klasse Buch, wichtiger Abschnitt der eigenen Geschichte!

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