„Die Regierung wirst du nicht los“

Es gibt auch interessante Dokumentationen: Es müssen nicht immer Millionäre sein, wie jene, die das Programm im gehirngewaschenen deutschen Fernsehen gestalten, sondern es kommen vereinzelt auch engagierte Teams zu Wort, die einen Film produzieren, wie „Cartel Land“ (2015).

„Cartel Land“ ist eine Doku über us-amerikanische und mexikanische „Bürgerwehren“. Diese werden in ihrer Entwicklung verfolgt von zwei Kamerateams, der US-Unit und der Mexican-Unit, wie es dem Abspann des Films zu entnehmen ist. Die „Bürgerwehren“ sind von Arbeitern gebildete Einheiten, die gegen die Drogenkartelle vorgehen, wo der us-amerikanische und der mexikanische Staat versagt hat, besser: wo er hinter der finanzintensiven Wirtschaft der Kartelle selbst steckt.

„Der NSU-Komplex“, ein Buch von 2013, fragt im Untertitel, „wo“ im Fall des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ aus Deutschland, der Terror aufhört und der „Staat beginnt“. Die Doku „Cartel Land“ zeigt genau das: dass der Staat mit den Kartellen vermischt ist und deshalb die mexikanische „Bürgerwehr“ durch ihre „Legalisierung“ nur zu einer Organisation des Verbrechens und des Terrors wurde.
Die „Bürgerwehr“, auf us-amerikanischer Seite, wird von einem charismatischen Führer in Arizona aufgebaut, weißt aber wie die mexikanische zu Beginn eher horizontale Strukturen üblicher Kleingruppen auf. Es handelt sich um Arbeiter-Selbstorganisation gegen staatlichen Willen. Obwohl dies erstmal positiv ist, benennt der Film auch Probleme: Rassismus zum Beispiel, wie im Fall eines zu Wort kommenden Mitglieds auf der us-amerikanischen Seite des Grenzzauns. Dieser ist jedoch nicht die vorrangige Triebfeder der Gruppe. So benennt der „Protagonist“ der Interviews die gefangengenommenen Mexikaner als „Unschuldige“ – was er als stumpfsinniger Rassist nicht getan hätte.

Auf der mexikanischen Seite organisiert sich zunächst eine Dorfbevölkerung selbst, laut ihrem Führer Dr. José Manuel Mireles Valverde, alles Arbeiter und Ortsansässige. Diese überfallen die Drogendealer und liefern sie der Polizei aus. Man muss hier wissen, dass Drogendealer in Mexiko in etwa die selbe Verrohung aufweisen, wie sie dem Lagerpersonal der Nazis schändliche Berühmtheit einbrachte. Dementsprechend barsch sind die Festnahmemethoden: scheinbar der einzige Weg für „Unbeteiligte“ ihr Leben zu retten.
Zunächst läuft auch alles glatt – die Bewegung hat noch eine ‚weiße Weste‘. Aber die Gruppen werden schnell infiltriert und schon ist es ein Kartell, welches die Truppen für sich benutzt, wie es bereits bei Polizei und Militär geschehen ist, um im Drogengeschäft die Konkurrenz zu bekämpfen.

Dieser Film ist lehrreich, wenn man mehr darüber erfahren will, wie sich Bewegungen entwickeln, wenn Staat und Drogenbosse ihre Finger im Spiel haben, aber auch Grundprobleme zentralistischer Führung und zu schnelles Anwachsen von Widerstandsorganisationen werden wunderbar gezeigt – eben nur gezeigt, denn kein „allwissender“, eher „allzu bürgerlicher“ Kommentator versaut die gezeigten Bilder.

Lest dazu:

„Strategische Einbindung“ von Michael Wilk und Bernd Sahler,

„Renaissance des Anarcho-Syndikalismus?“ von Beltrán Roca Martinez

 

Advertisements
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: